Neuanfang
Mit 35 den Job verloren: was Daniel in der ersten Woche tat
Drei Nachmittage lang saß er am Autohof, damit seine Frau nichts merkte. Was ihm half, nach Hause zu kommen, es ihr zu sagen und neu anzufangen.
Anonym verfasstDaniel, 35, Schichtleiter in der Logistik bei Dortmund6 Min. Lesezeit

Jede Geschichte verbindet Erfahrungen mehrerer Menschen.
Die Geschichte
Drei Nachmittage am Autohof
Das Gespräch dauerte elf Minuten. Das Logistikunternehmen bei Dortmund, für das Daniel neun Jahre gearbeitet hatte, musste sparen, und sein Lager wurde mit einem anderen Standort zusammengelegt. Seine Stelle als Schichtleiter fiel weg, und bis zum Ende der Kündigungsfrist war er freigestellt. Jemand aus der Personalabteilung schob ihm eine Mappe über den Tisch und sagte: „Es tut uns wirklich leid, Daniel.“ Er sagte danke, weil ihm nichts anderes einfiel.
Um zwei Uhr nachmittags fuhr er vom Gelände und fuhr nicht nach Hause. Er parkte am Autohof an der A2, bestellte einen Kaffee und saß dort bis sechs, der Zeit, zu der er sonst Feierabend hatte. Dann fuhr er heim, aß mit seiner Frau Julia und den beiden Kindern zu Abend und sagte, bei der Arbeit sei alles gut.
Am nächsten Tag machte er es genauso, und am Tag danach auch. Jeden Nachmittag öffnete er Jobportale auf dem Handy, scrollte, schloss sie wieder und starrte auf den Parkplatz. Er war 35, zahlte einen Autokredit ab und hatte einen Sohn, der im Sommer eingeschult werden sollte. Eine Frage drehte sich in seinem Kopf im Kreis: „Wie sag ich’s ihr?“
Am dritten Abend fragte Julia, warum seine Arbeitsjacke nie mehr in der Wäsche landete. Er versuchte, es wegzulachen. Dann stützte er am Esstisch den Kopf in die Hände, und die Kinder durften vor den Fernseher.
Was schwer war
Warum ein Jobverlust so schwer wiegt
Für Daniel war die Arbeit mehr als ein Gehalt. Mit ihr sorgte er für seine Familie, mit ihr beantwortete er auf Familienfeiern die Frage „Und, was machst du so?“, und an ihr maß er, ob er ein guter Ehemann und Vater war. Als die Stelle weg war, fühlte es sich an, als wäre all das mit ihr gegangen.
Die Scham brachte ihn dazu, sich zu verstecken. Er hatte Angst, Julia zu enttäuschen, Angst, dass seine Eltern sich Sorgen machen, Angst, dass sein Schwager beim nächsten Geburtstag davon anfängt. Das Verstecken kostete Kraft, und diese Kraft fehlte ihm beim Schlafen. Fast jede Nacht lag er um drei wach und rechnete im Kopf.
Die Angst lief den Tatsachen voraus. In seinem Kopf wurde aus einer Kündigung erst eine monatelange Arbeitslosigkeit, dann verpasste Raten, dann ein Umzug, bei dem die Kinder die Schule wechseln müssten. Nichts davon war passiert. Um drei Uhr morgens fühlte sich trotzdem alles davon sicher an.
Er fühlte sich auch verloren. Neun Jahre lang hatten seine Tage eine klare Form gehabt: Wecker, Fahrt zur Arbeit, Lager, nach Hause. Jetzt hatten die Tage keine Ränder mehr, und er wusste nicht, wo er anfangen sollte.
Was geholfen hat
Was nach einem Jobverlust hilft: Daniels erste Schritte
Es Julia zu sagen, war der Wendepunkt. Sie weinte ein bisschen, dann holte sie ein Notizbuch. „Okay“, sagte sie. „Was haben wir?“ An diesem Abend war nichts gelöst. Trotzdem schlief Daniel zum ersten Mal seit drei Tagen bis zum Morgen durch.
Gleich am nächsten Morgen meldete er sich bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend. Es fühlte sich demütigend an und dauerte keine halbe Stunde. Die Beraterin war freundlich und erklärte ihm, wie es mit dem Arbeitslosengeld weitergehen würde.
Auch das Notizbuch half. Zusammen schrieben sie auf, was sie hatten: die Abfindung, das Arbeitslosengeld, das kommen würde, ein bisschen Erspartes und Julias Gehalt als Grundschullehrerin. Dann, was jeden Monat abging und was warten konnte. Die echten Zahlen schwarz auf weiß zu sehen, machte Angst, und es war weniger schlimm als die Version in seinem Kopf. Wenn sie sparsam waren, würden sie eine ganze Weile über die Runden kommen.
Als Nächstes gab Daniel seinen Tagen wieder eine Form. Er stand zur gewohnten Zeit auf, trank seinen Kaffee draußen auf der Terrasse und behandelte die Jobsuche wie eine Schicht. Vormittags schrieb er Bewerbungen und Nachrichten an alte Kontakte. Nachmittags machte er etwas Nützliches im Haus, zum Beispiel das Gartentor reparieren, um das er sich seit einem Jahr gedrückt hatte. Um fünf machte er Feierabend.
Er erzählte es anderen, und das war das Schwerste. Er schrieb einem früheren Chef, zwei alten Kollegen und dem Männerkreis seiner Gemeinde: „Mir ist gekündigt worden. Wenn ihr von etwas in der Logistik oder Lagerleitung hört: Ich suche.“ Zwei antworteten noch am selben Tag. Einer schickte einen Tipp. Ein anderer schrieb nur: „Lass uns einen Kaffee trinken“, und hörte ihm dann eine Stunde lang zu.
Er betete ehrlich, und für Daniel hieß das, zuzugeben, dass er Angst hatte. Sein Pastor erinnerte ihn an Klagelieder 3,22-23: Gottes Güte ist jeden Morgen neu. Daniel schrieb die Stelle auf die erste Seite des Notizbuchs, über die Zahlen.
Es dauerte elf Wochen. Dann fing Daniel als Teamleiter bei einer kleineren Spedition in Hamm an, für etwas weniger Geld und mit einem längeren Arbeitsweg. An manchen Tagen vermisst er sein altes Team immer noch. Er weiß jetzt aber auch, dass sein Wert nie an einer Stellenbezeichnung hing.
Probier das heute aus
Heute: gib dem morgigen Tag eine Form
- Erzähl einem Menschen, dem du vertraust, was passiert ist.
- Schreib auf, was du hast, was jeden Monat abgeht und was warten kann.
- Leg für morgen eine Aufstehzeit und eine Feierabendzeit fest.
- Schick eine Nachricht an jemanden, der von einer offenen Stelle wissen könnte.
Ein Bibelvers für heute
Die Güte des HERRN ist's, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß.
Klagelieder 3,22-23
Für dich
Wenn du gerade deinen Job verloren hast
Wenn dir das diese Woche passiert ist, ist der Schock, den du spürst, völlig verständlich. Ein Jobverlust kann dein Bild davon erschüttern, wer du bist, besonders wenn eine Familie von dir abhängt. Gib dir einen Tag, um es zu fühlen.
Dann mach einen Schritt. Sag es dem Menschen, der dir am nächsten steht. Melde dich bei der Agentur für Arbeit. Schreib die echten Zahlen auf. Gib dem morgigen Tag eine einfache Form: eine Aufstehzeit, ein paar Bewerbungen, eine Nachricht an jemanden, der von einer Stelle wissen könnte, und eine Zeit für den Feierabend.
Wenn du wochenlang nicht schlafen kannst, dich an den meisten Tagen hoffnungslos fühlst oder die Sorgen alles andere verdrängen, sprich mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer Beratungsstelle. Das ist ein ganz normaler nächster Schritt, und er kann dir die Suche leichter machen.
Wenn du jetzt gleich irgendwo anfangen willst: HopeBegins ist kostenlos. Wähl aus, wie es dir geht, und du bekommst eine kleine Sache für heute, Übungen zum Ruhigwerden für die Rechnerei um drei Uhr nachts, jemanden, der für dich betet, und kostenlose Nummern, unter denen du mit jemandem reden kannst. Wenn du nicht weißt, wie es weitergehen soll, ist Ich fühle mich verloren eine gute nächste Seite.
Heute nicht okay?
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Was andere fragen
Was sollte ich direkt nach einer Kündigung tun?
Gib dir einen Tag, um den Schock zu verdauen. Dann erzähl es jemandem, der dir nahesteht, und schreib deine echten Finanzen auf. Gib deinen Tagen eine einfache Routine und lass die Menschen, die du kennst, wissen, dass du suchst.
Wann muss ich mich nach einer Kündigung arbeitsuchend melden?
Bei der Agentur für Arbeit spätestens drei Monate vor deinem letzten Arbeitstag. Liegen zwischen Kündigung und letztem Arbeitstag weniger als drei Monate, dann innerhalb von drei Tagen, nachdem du davon erfahren hast. Wer sich zu spät meldet, riskiert eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld.
Ist es normal, sich nach einer Kündigung zu schämen?
Ja, viele Menschen schämen sich, besonders wenn sie eine Familie versorgen. Betriebsbedingte Kündigungen haben meist mehr mit der Firma zu tun als mit dir, und darüber zu reden macht die Last fast immer leichter.
Die Bibelzitate stammen aus der Lutherbibel (1912), gemeinfrei.
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