Neuanfang
Wieder auf die Beine kommen: eine kleine Sache jeden Morgen
Monatelang fühlte sich Leas Leben an, als stünde es auf Pause. Ihr Weg zurück begann mit einer Tasse Kaffee, jeden Morgen.
Anonym verfasstLea, 27, Barista in Garmisch-Partenkirchen5 Min. Lesezeit

Jede Geschichte verbindet Erfahrungen mehrerer Menschen.
Die Geschichte
Die Monate, die sich wie eine Pause anfühlten
Lea ist Barista in einem kleinen Café in der Fußgängerzone von Garmisch-Partenkirchen. Früher war sie immer die Erste dort. Sie schloss auf, machte die Siebträgermaschine startklar und begrüßte die Stammgäste mit Namen.
Dann kam das Jahr, in dem alles auf einmal passierte. Ihre beste Freundin zog nach München. Das Café schloss für drei Monate wegen Umbau. Ihr Erspartes war aufgebraucht. Als das Café wieder aufmachte, ging sie zurück zur Arbeit und fühlte sich wie ein anderer Mensch.
Sie wachte um neun auf, zu spät. Kaffee war ihr Frühstück. Nach der Schicht ging sie direkt ins Bett und scrollte bis in die frühen Morgenstunden. Am Wochenende ging sie nicht mehr raus. „Bin nur müde“, sagte sie ihrer Mutter im Videoanruf. Sie wusste, dass es mehr war.
An manchen Tagen war sie traurig. Öfter fühlte sie gar nichts. Kein Antrieb, keine Richtung, ihr Leben auf Pause, während sich die Welt draußen weiterdrehte.
Was schwer war
Warum es so schwer ist, wieder auf die Beine zu kommen
Das Schwerste für Lea war, dass sie genau wusste, was sie tun sollte. Sport machen. Früher schlafen gehen. Wieder sparen. Ihre Freundinnen anrufen. In den Gottesdienst gehen. Sich auf eine bessere Stelle bewerben. Wenn sie die ganze Liste ansah, war sie überfordert und machte am Ende gar nichts davon.
Dann machte sie sich Vorwürfe. „Ich bin so faul.“ „Ich hab so viel Zeit verschwendet.“ Jeder Tag, an dem nichts passierte, machte den nächsten schwerer.
Außerdem war es ihr peinlich, darüber zu reden. Auf Social Media schien es allen, die sie kannte, gut zu gehen: neue Jobs, neue Wohnungen, Urlaube im Ausland. Sie selbst kam nicht aus dem Bett.
Das passiert oft, wenn man lange festgesteckt hat. Wenn dein Kopf müde ist, sieht selbst ein kleiner Schritt aus wie ein Berg. Und wenn du wartest, bis die Motivation zurückkommt, bevor du dich bewegst, kannst du lange warten. Oft bewegen wir uns zuerst, und die Motivation kommt hinterher.
Was geholfen hat
Wie Lea wieder auf die Beine kam: eine kleine Sache
Rosi, der das Café gehört, merkte es als Erste. Eines Nachmittags beim Aufräumen fragte sie: „Mädel, geht’s dir eigentlich gut? Du wirkst in letzter Zeit so weit weg.“ Lea weinte an der Spüle. Es war das erste Mal, dass sie zugab, dass es ihr nicht gut ging.
Rosi nickte nur, dann fragte sie: „Eine kleine Sache morgen. Nur eine. Was ist es?“
Lea dachte nach. Früher hatte sie die Morgen in den Bergen geliebt, die Kälte und den Nebel. Also suchte sie sich genau das aus: um sieben aufstehen, Kaffee machen und ihn draußen auf der Bank vor dem Haus trinken, mit Blick auf die Berge. Ohne Handy. Nur zehn Minuten.
Am nächsten Tag machte sie es. Es war kalt, sie war noch verschlafen, und trotzdem saß sie draußen, ihre gelbe Tasse in der Hand, und sah zu, wie der Nebel langsam von den Fichten am Hang aufstieg. Es war einfach, und um sieben Uhr morgens hatte sie schon etwas geschafft.
Was geholfen hat
Die kleinen Schritte, die danach kamen
Nach einer Woche Morgenkaffee nahm sie eine weitere Sache dazu: zu Fuß zur Arbeit statt mit dem Bus, fünfzehn Minuten durch den Kurpark. Zwei Wochen später noch eine: jeden Sonntagabend ihre beste Freundin anrufen.
An manchen Tagen schaffte sie nichts davon. Sie lernte, diese Tage nicht mehr als Versagen zu zählen. Morgen wieder Kaffee.
Sie ging auch wieder in die Gemeinde, in einen Hauskreis für junge Berufstätige. Am Anfang hörte sie nur zu. An einem Abend erzählte jemand von Jesaja 40,31, und Lea beschloss, dass es in Ordnung war, eine Weile zu gehen, bevor sie zu rennen versuchte.
Als sie merkte, dass ihr Herz trotz der kleinen Fortschritte wochenlang schwer blieb, ging sie zu ihrer Hausärztin. Die Ärztin vermittelte sie an eine Psychotherapeutin. Dort lernte sie, freundlicher mit sich selbst zu sein.
Heute, sechs Monate später, ist Lea wieder die Erste im Café. Sie hat immer noch schwere Tage. Jeden Morgen gibt es eine gelbe Tasse, einen Berg und eine kleine Sache, die schon erledigt ist, bevor der Tag beginnt.
Probier das heute aus
Morgen früh: eine kleine Sache
- Such dir heute Abend eine kleine Sache aus, die du morgen früh machst.
- Mach sie wirklich klein: zehn Minuten oder weniger.
- Mach sie morgen, auch wenn du müde bist oder keine Lust hast.
- Schreib in dein Handy oder Notizbuch: „Geschafft.“ Dann mach es am nächsten Tag wieder.
Ein Bibelvers für heute
…aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden.
Jesaja 40,31
Für dich
Wenn auch du wieder auf die Beine kommen willst
Wenn du gerade feststeckst, ohne Antrieb und ohne Ahnung, wo du anfangen sollst, nimm dir diese Woche nur eine Sache vor.
Such dir eine kleine Sache für morgen früh aus. Kaffee draußen. Fünf Minuten spazieren gehen. Eine Nachricht an eine Freundin oder einen Freund. Mach sie und zähl sie als Erfolg. Wir bewegen uns zuerst, und die Motivation kommt hinterher.
An manchen Tagen wirst du nicht einmal eine Sache schaffen. Das ist in Ordnung. Versuch es morgen wieder. Ein schwerer Tag löscht deine Fortschritte nicht aus.
Wenn du seit mehr als zwei Wochen keinen Antrieb hast oder dein Herz schwer ist, oder wenn es dir schwerfällt, durch den Tag zu kommen, sprich mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer Beratungsstelle. Das ist ein ganz normaler nächster Schritt, und er hilft.
Wenn du heute Hilfe möchtest: HopeBegins ist kostenlos. Wähl aus, wie es dir geht, und du bekommst eine kleine Sache für heute, Übungen zum Ruhigwerden, jemanden, der für dich betet, und kostenlose Nummern, unter denen du mit jemandem reden kannst. Wenn du nicht weißt, wohin es für dich gehen soll, lies Ich fühle mich verloren.
Heute nicht okay?
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Was andere fragen
Wie komme ich wieder auf die Beine, wenn mir die Motivation fehlt?
Fang jeden Tag mit einer kleinen Sache an, etwa einem Kaffee draußen oder einem kurzen Spaziergang, und mach sie, bevor die Motivation zurück ist. Meistens bewegen wir uns zuerst, und die Motivation kommt hinterher. Wenn es länger als zwei Wochen anhält, sprich mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer Beratungsstelle.
Ist es normal, im Leben festzustecken?
Ja, das erleben viele, besonders nach mehreren schweren Ereignissen hintereinander. Mit Faulheit hat das nichts zu tun. Kleine Schritte und ein Mensch zum Reden helfen meistens.
Die Bibelzitate stammen aus der Lutherbibel (1912), gemeinfrei.
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