Angst

Stress wegen Schulden: Markus und die Angst vor jeder Nachricht

Er lieh sich Geld, um andere Schulden zu bezahlen, und verheimlichte es vor seiner Frau. Das half, als er sich endlich allem stellte.

Anonym verfasstMarkus, 38, Busfahrer in Essen5 Min. Lesezeit

Eine Frau trinkt am Fenster Tee, in eine Decke gehüllt

Jede Geschichte verbindet Erfahrungen mehrerer Menschen.

Die Geschichte

Jedes Mal, wenn das Handy vibrierte

Markus fuhr Linienbus in Essen, meistens Frühschicht. Um vier stand er auf, um halb fünf war er auf dem Betriebshof. In den letzten Monaten hatte er eine neue Angst, schwerer als jeder Stau auf der A40: sein Handy.

Es fing klein an. Die Nebenkostenabrechnung kam mit einer hohen Nachzahlung, und er rutschte tief in den Dispo. Um den auszugleichen, nahm er online einen Sofortkredit. Als er die Raten nicht pünktlich zahlen konnte, lieh er sich Geld über eine andere App, um den ersten Kredit zu bedienen. Dann von seinem Schwager. Dann kaufte er die neue Waschmaschine auf Raten.

Verprasst hatte er nichts davon. Die Nachzahlung für Strom und Heizung, die kaputte Waschmaschine, die Klassenfahrt des Großen. Jeder Kredit hatte einen Grund, und jeder Grund war wichtig.

Im September fühlte sich jedes Vibrieren in seiner Jackentasche wie ein Schlag in den Magen an. „Zahlungserinnerung: Rate überfällig. Bitte umgehend begleichen.“ Einmal lag ein Brief vom Inkassobüro im Briefkasten, und er riss ihn auf, bevor jemand anderes ihn sah.

Er erzählte niemandem davon, nicht einmal Nadine, seiner Frau. Wenn sie fragte, warum das Konto am Monatsende so leer war, obwohl er heimlich Raten abzahlte, sagte er: „Ist halt alles teurer geworden.“

Was schwer war

Warum Schulden so schwer auf der Seele liegen

Für Markus kam jeder Euro Schulden mit Scham. Er sah sich als den, der die Familie versorgt, und er hatte das Gefühl, darin versagt zu haben.

Weil er es verheimlichte, trug er alles allein. Er konnte nicht schlafen. Sein Nacken tat weh. Mit den Kindern war er schnell gereizt. Beim Fahren drehten sich die Zahlen in seinem Kopf im Kreis, und einmal hätte er beinahe eine rote Ampel übersehen.

Auch sein Körper spürte es. Er war schon müde, bevor die Schicht überhaupt anfing. Er hatte keinen Appetit mehr, und wenn am Monatsanfang das Gehalt kam, war sein erster Gedanke, welcher Kredit es diesmal schlucken würde.

Einen Kredit mit einem neuen Kredit abzuzahlen ist, als würde man ein neues Loch graben, um ein altes zu füllen. Es wird nur tiefer. Und jeder neue Kredit bringt eine neue Angst mit.

Am schwersten war das Gefühl, niemanden zu haben, an den er sich wenden konnte. „Das ist mein Problem“, sagte er sich. „Ich hab’s verbockt, also bring ich’s auch wieder in Ordnung.“

Was geholfen hat

Wie Markus sich seinem Schuldenstress stellte

Eines Abends öffnete Nadine einen Brief vom Inkassobüro. Es gab nichts mehr zu verstecken. Als die Kinder schliefen, saßen sie in der Küche, und Markus erzählte ihr alles. Er rechnete damit, dass sie wütend sein würde. Sie war es, ein bisschen. Dann nahm sie seine Hand: „Warum hast du das allein geschleppt? Wir sind doch ein Team.“

Am nächsten Tag holten sie ein Heft. Sie schrieben jede Schuld auf: bei wem, wie viel, wann fällig und mit wie viel Zinsen. Es war erschreckend, das zu sehen. Zum ersten Mal sahen sie das ganze Bild, und es zeigte sich, dass es ein Ende hatte.

Sie schauten auch, welche Schulden die höchsten Zinsen hatten und von wem die meisten Mahnungen kamen. Dort fingen sie an. Alles auf einmal konnten sie nicht schaffen, also legten sie fest, um welche Schulden sie sich in welcher Woche kümmerten.

Bei der Schuldnerberatung ihrer Stadt bekamen sie nach ein paar Wochen einen Termin, der sie nichts kostete. Die Beraterin half ihnen, mit den Gläubigern Ratenzahlungen auszuhandeln, die zu Markus’ Gehalt passten. Markus rief selbst seinen Schwager an und bat um mehr Zeit. Manche sagten nein, die meisten ja. Und die beiden trafen eine Entscheidung: keine neuen Kredite mehr, um alte zu bezahlen.

Ein Anbieter schickte weiter Nachrichten mit Drohungen. Markus ging bei unverschämten Anrufen nicht mehr ran. Er zahlte, was vereinbart war, und Nadine und er lasen die Briefe zusammen, damit keiner von beiden der Angst allein begegnete.

Auch zu Hause änderten sie etwas beim Geldausgeben. Brotdose statt Bäcker, und eine alte Keksdose fürs Ersparte, auch wenn es nur ein, zwei Euro am Tag waren.

Markus erzählte es auch den anderen Fahrern im Pausenraum auf dem Betriebshof. Er dachte, sie würden ihn auslachen. Zwei gaben zu, dass sie selbst Schulden bei Ratenkäufen und Kredit-Apps hatten. Seitdem fragen sie einander, wie es läuft, wenn sie an der Endhaltestelle auf die Abfahrt warten.

Und er betete, im Bus, bevor er losfuhr. 1. Petrus 5,7 wurde sein Gebet: Jeden Morgen gab er seine Sorgen an Gott ab. Sie haben heute noch Schulden, und Markus trägt sie leichter. Er schläft nachts durch und zuckt nicht mehr bei jedem Vibrieren zusammen.

Probier das heute aus

Heute: aufschreiben und aussprechen

  1. Erzähl einem Menschen, dem du vertraust, von deinen Schulden.
  2. Schreib jede Schuld auf: bei wem, wie viel und wann sie fällig ist.
  3. Such dir einen Gläubiger aus, mit dem du diese Woche über eine Ratenzahlung sprichst.
  4. Wenn die Angst kommt, atme zwei Minuten lang vier Zählzeiten ein und sechs aus.

Ein Bibelvers für heute

Alle Sorge werfet auf ihn; denn er sorgt für euch.

1. Petrus 5,7

Für dich

Wenn dich Schulden gerade stressen

Wenn du das liest und Nachrichten oder Briefe hast, die du nicht öffnen magst, atme erst einmal durch. Viele Menschen haben Schulden, und man kann sich ihnen Schritt für Schritt stellen.

Erzähl es heute einem Menschen, dem du vertraust. Dann schreib alle Schulden, die du hast, auf ein Blatt Papier. Ein Problem lässt sich leichter angehen, wenn du es ganz sehen kannst. Wenn du verheiratet bist oder mit jemandem zusammenlebst, hol diese Person mit ins Boot. Die Last wird leichter, wenn zwei oder drei sie tragen. Anerkannte Schuldnerberatungsstellen beraten in der Regel kostenlos. Vorsicht bei Angeboten, die vorab Geld verlangen.

Wenn du seit Wochen nicht gut schläfst, ständig Angst hast oder alles hoffnungslos wirkt, sprich mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer Beratungsstelle. Das ist ein ganz normaler Schritt, und er kann dir helfen, klarer zu denken.

Wenn du heute irgendwo anfangen möchtest: HopeBegins ist kostenlos. Wähl aus, wie es dir geht, und du bekommst eine kleine Sache für heute, Übungen zum Ruhigwerden für die Sorgen, jemanden, der für dich betet, und kostenlose Nummern, unter denen du mit jemandem reden kannst. Wenn du gerade Angst hast, probier Wie du Angst beruhigen kannst.

Heute nicht okay?

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Was andere fragen

Was hilft gegen Angst wegen Schulden?

Erzähl es zuerst einem Menschen, dem du vertraust, und schreib alle Schulden auf. Sprich mit deinen Gläubigern über Ratenzahlungen, und nimm keine neuen Kredite auf, um alte abzuzahlen. Eine anerkannte Schuldnerberatung kann dir dabei helfen.

Ist es normal, wegen Schulden nicht schlafen zu können?

Ja, das passiert vielen, wenn Geldsorgen schwer werden. Wenn du seit Wochen schlecht schläfst oder ständig Angst hast, sprich mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer Beratungsstelle.

Wo bekomme ich kostenlose Hilfe bei Schulden?

Bei anerkannten Schuldnerberatungsstellen, zum Beispiel bei deiner Stadt oder deinem Landkreis. Die Beratung ist in der Regel kostenlos. Sei vorsichtig bei Firmen, die schnelle Schuldenfreiheit versprechen und vorab Gebühren verlangen.

Die Bibelzitate stammen aus der Lutherbibel (1912), gemeinfrei.

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