Glaube
Wie du beten kannst, wenn dir die Worte fehlen
Sarah war zu ängstlich und zu müde für lange Gebete. Sie lernte, in einzelnen Sätzen zu beten, in der S-Bahn, auf dem Weg zur Arbeit.
Anonym verfasstSarah, 33, Bankkauffrau und Mutter von zwei Kindern bei Stuttgart5 Min. Lesezeit

Jede Geschichte verbindet Erfahrungen mehrerer Menschen.
Die Geschichte
Zu müde zum Beten
Sarah arbeitet am Schalter einer Bank in Ludwigsburg. Ihre Morgen sind ein Wettlauf: zwei Kinder wecken, Brotdosen packen, eine Bluse bügeln, dann um acht mit der S-Bahn zur Arbeit. Sie ist in einer Freikirche aufgewachsen und hat früher jeden Abend gebetet, kniend neben dem Bett, so wie ihre Mutter es ihr beigebracht hatte.
Letztes Jahr endete der Montageauftrag ihres Mannes in Norwegen früher als geplant, und das Geld wurde knapp. Ihr Jüngster war monatelang immer wieder krank. Sarah fing an, um drei Uhr nachts mit Herzklopfen aufzuwachen und im Kopf Zahlen zu wälzen.
Sie versuchte zu beten wie immer. Sie schloss die Augen, und die Sorgen drängten sich herein, bevor sie den ersten Satz zu Ende gebracht hatte. Sie fing von vorne an, verlor den Faden und schlief mit schlechtem Gewissen ein. Nach ein paar Wochen hörte sie auf, es zu versuchen.
„Ich fühle mich so weit weg von Gott“, sagte sie bei der Arbeit zu ihrer Kollegin Miriam. „Ich krieg kein richtiges Gebet mehr hin.“
Was schwer war
Warum Beten schwerfällt, wenn du Angst hast
Angst füllt jeden stillen Moment mit Lärm. Still zu sitzen, um zu beten, kann sich anfühlen, als würdest du allen Sorgen auf einmal die Tür öffnen. Deshalb merken Menschen, die gern beten, in ängstlichen Zeiten oft, dass sie es nicht mehr können.
Sarah glaubte außerdem, ein Gebet müsse auf eine bestimmte Art gehen: lang, geordnet, mit den richtigen Worten. Wenn sie so nicht beten konnte, hatte sie das Gefühl, überhaupt nicht zu beten.
Dann kam das schlechte Gewissen. Eine gute Christin sollte beten können, dachte sie. Wenn sie es nicht konnte, stimmte vielleicht etwas mit ihrem Glauben nicht. Das schlechte Gewissen wurde zu einer weiteren Sache, die sie um drei Uhr nachts wach hielt.
In der Gemeinde erzählte sie niemandem davon. Alle dort wirkten so sicher, was Gott anging. Sie lächelte sich durch den Gottesdienst, sang jedes Lied mit und ging nach Hause und fühlte sich weiter weg als vorher.
Was geholfen hat
Wie Sarah lernte, mit Angst zu beten
Miriam widersprach ihr nicht. Sie sagte: „Ich bete manchmal nur einen Satz. ‚Herr, hilf.‘ Das reicht.“
Am nächsten Morgen in der S-Bahn probierte Sarah es aus. Eingequetscht zwischen einer Schülerin und einem Mann mit Werkzeugkoffer, schaute sie aus dem Fenster und sagte in Gedanken: „Herr, ich hab Angst ums Geld. Hilf mir heute.“ Das war das ganze Gebet. Es dauerte fünf Sekunden.
Auf der Heimfahrt machte sie es wieder. „Herr, danke, dass der Tag gut war.“ Und noch einmal um drei Uhr nachts: „Herr, halt mich fest.“
In den nächsten Wochen wurde die S-Bahn zu ihrem Gebetsraum. Sie fing an, für das zu beten, was sie sah: die Kinder mit ihren Schulranzen, den müden Mann im Anzug, die Frau, die hinten leise weinte. Ihre Gebete waren kurz und ehrlich, und zum ersten Mal seit Monaten fühlten sie sich wie ihre eigenen an.
Was geholfen hat
Was Sarah sonst noch bei ihrer Angst half
Miriam fragte, ob sie auch für Sarah beten dürfe. Jeden Montag schickte sie eine Nachricht: „Hab heute für dich gebetet. Wie geht’s dem Kleinen?“ Zu wissen, dass jemand anderes sie im Gebet mittrug, machte Sarah an den Tagen leichter, an denen sie selbst kaum beten konnte.
Sarah schrieb Philipper 4,6-7 auf eine Karte und steckte sie in ihr Portemonnaie, hinter den Personalausweis. Sie las sie, während sie am Bahnsteig wartete. An manchen Tagen war das das einzige Gebet, das sie schaffte, und es reichte.
Sie kümmerte sich auch um die Sorgen selbst. Mit ihrem Mann setzte sie sich hin und machte einen einfachen Haushaltsplan. Ihrer Vorgesetzten sagte sie, dass ihr Jüngster krank war, und sie fanden gemeinsam Arbeitszeiten, mit denen sie ihn zu den Untersuchungen bringen konnte. Als das Herzklopfen um drei Uhr nachts nach einem Monat nicht aufhörte, ging sie zu ihrer Hausärztin. Die untersuchte sie, sprach mit ihr über Angst und empfahl ihr eine Psychotherapeutin.
Ihre Probleme waren immer noch da. Jetzt hatte sie einen Ort, an den sie sie bringen konnte, jeden Morgen, auf dem Weg zur Arbeit.
Probier das heute aus
Heute: drei Gebete aus einem Satz
- Bete auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule einen Satz über das, was dir am meisten Sorgen macht.
- Bete in der Mittagspause einen Satz des Dankes für etwas Kleines.
- Bete vor dem Schlafen einen Satz und bitte um Ruhe.
- Bitte einen Freund oder eine Freundin, diese Woche für dich zu beten, und sag, wofür.
Ein Bibelvers für heute
Sorget nichts! sondern in allen Dingen lasset eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden. Und der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christo Jesu!
Philipper 4,6-7
Für dich
Wenn dir die Worte zum Beten fehlen
Wenn dir das Beten früher leichtfiel und jetzt nicht mehr, ist mit deinem Glauben alles in Ordnung. Angst macht es schwer, still zu werden. Gott hört kurze Gebete, müde Gebete und Gebete, die nur ein Seufzer sind.
Probier heute einen Satz. Sag ihn in der S-Bahn, im Bad, während die Nudeln kochen. „Herr, hilf.“ „Herr, danke.“ „Herr, ich hab Angst.“ Jeder dieser Sätze ist ein echtes Gebet.
Lass auch andere für dich beten. Auf der Seite Gebete kannst du ein Gebetsanliegen schicken, und jemand betet für dich.
Wenn dich die Angst seit mehr als zwei Wochen nachts aufweckt oder dir den Tag schwer macht, sprich mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer Beratungsstelle. Glaube und gute Behandlung gehören zusammen.
Wenn du dir mehr Unterstützung wünschst: HopeBegins ist kostenlos. Wähl aus, wie es dir geht, und du bekommst eine kleine Sache für heute, Übungen zum Ruhigwerden, jemanden, der für dich betet, und kostenlose Nummern, unter denen du mit jemandem reden kannst. Verse, die du mitnehmen kannst, findest du unter Bibelverse gegen Angst.
Heute nicht okay?
HopeBegins ist kostenlos. Wähl aus, wie es dir geht, und du bekommst eine kleine Sache, die du heute ausprobieren kannst, Übungen zur Beruhigung, jemanden, der für dich betet, und kostenlose Telefonhilfe in deinem Land.
Was andere fragen
Wie bete ich, wenn ich Angst habe?
Halt es kurz und ehrlich. Ein Satz wie „Herr, ich hab Angst, hilf mir heute“ ist ein echtes Gebet. Bete in kleinen Momenten über den Tag verteilt, und bitte auch einen Freund oder eine Freundin, für dich zu beten.
Ist es ein Zeichen von schwachem Glauben, wenn ich nicht beten kann?
Nein. Angst macht es schwer, still zu werden, und viele Menschen mit starkem Glauben erleben Zeiten, in denen Beten schwerfällt. Kurze Gebete zählen, und es zählt auch, andere für dich beten zu lassen. Wenn die Angst lange anhält, gehören ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe genauso dazu.
Die Bibelzitate stammen aus der Lutherbibel (1912), gemeinfrei.
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