Druck und Burnout
Erschöpft vom Job: Tobias und seine Nächte auf Station
Im Bus nach Hause schlief er ein, aber sein Kopf war noch auf Station. So wurden seine Tage langsam wieder leichter.
Anonym verfasstTobias, 29, Krankenpfleger im Nachtdienst in Hamburg5 Min. Lesezeit

Jede Geschichte verbindet Erfahrungen mehrerer Menschen.
Die Geschichte
Sechs Uhr morgens, und Tobias fährt nach Hause
Um kurz nach sechs am Morgen kommt Tobias aus dem Krankenhaus in Hamburg. Die Frühschicht kommt ihm entgegen, frisch geduscht, mit Kaffeebechern in der Hand. Er geht im Kapuzenpulli nach Hause, das Namensschild noch am Pulli, weil er vergessen hat, es abzunehmen.
Er steigt in den Bus und schläft ein, bevor der Bus richtig losgefahren ist. Mehr als einmal hat ihn der Fahrer an der Endhaltestelle geweckt: „Endstation, junger Mann.“ Er nickt, steigt aus und fährt in die andere Richtung zurück.
Seit drei Jahren arbeitet er auf der Inneren, und er ist gut darin. Die Patientinnen und Patienten mögen ihn, und wenn nachts jemand verwirrt oder wütend wird, holen die Kolleginnen ihn. In letzter Zeit ist aber etwas anders. Schon bevor er sich umzieht, tut ihm der Nacken weh. Wenn die Patientenklingel geht, zieht sich sein Magen zusammen.
„Mama, ich bin so müde von der Arbeit“, sagte er an einem Sonntag zu seiner Mutter. „Müde sind wir doch alle, Junge“, sagte sie und stellte den Braten auf den Tisch. Da hatte sie ja recht, dachte Tobias, und er sagte es nicht noch einmal.
Trotzdem werden seine Schritte jeden Abend langsamer, je näher er dem Krankenhaus kommt. Manchmal steht er noch fünf Minuten vor dem Kiosk gegenüber und starrt auf sein Handy, bevor er reingeht.
Was schwer war
Warum Schlaf diese Müdigkeit nicht wegmacht
Schlaf half nicht mehr gegen seine Müdigkeit. Selbst nach acht Stunden im Bett war sein Kopf noch auf Station. Manchmal hörte er die Klingel im Traum.
Nachtdienst ist hart. Deine Stunden laufen andersherum als die aller anderen. Tagsüber bohrt der Nachbar, der Paketbote klingelt, im Hof spielen Kinder. Wenn du wach bist, schlafen deine Freunde. Nach und nach schrumpft das Leben auf Arbeit und Schlaf.
Er merkte auch, dass er gereizt geworden war. Sein Mitbewohner musste nur die Spülmaschine ausräumen, und schon ging ihm der Lärm auf die Nerven. An freien Tagen hatte er früher gern Fußball gespielt. Jetzt lag er im Bett und scrollte, bis der nächste Dienst anfing.
So kann Burnout aussehen: eine Müdigkeit, die auch Ruhe nicht mehr wegmacht, ein Gefühl von Überdruss oder Leere gegenüber der Arbeit und der Eindruck, dass alles, was du tust, nie reicht.
Am schwersten war die Scham, es auszusprechen. Seit sein Vater nicht mehr arbeiten konnte, gab Tobias seinen Eltern jeden Monat Geld dazu. Wie sollte er sich beklagen? Er hatte doch eine sichere Stelle.
Was geholfen hat
Was Tobias half, als ihn sein Job erschöpfte
Die eine große Lösung gab es nicht. Er änderte ein paar kleine Dinge, eins nach dem anderen, und genau da wurde es langsam leichter.
Erstens schützte er seinen Schlaf, mit kleinen Mitteln. Er kaufte eine Schlafmaske und Ohrstöpsel und klebte Verdunkelungsfolie ans Fenster. Seinen Mitbewohner bat er: „Kannst du bis zwei Uhr bitte leise sein?“ Perfekt war es nicht, aber er schlief länger.
Zweitens machte er sich einen Abschluss für das Ende jedes Dienstes. Bevor er nach Hause ging, setzte er sich zehn Minuten in den Aufenthaltsraum, trank ein Glas Wasser und tippte ein paar Stichworte ohne Namen in sein Handy: was ihn aus der Nacht noch beschäftigte. Dann sagte er sich: „Der Dienst ist vorbei. Der Rest hat Zeit bis zum nächsten Dienst.“
Drittens baute er Überstunden ab. Er hatte einen ganzen Berg davon und hob sie für einen Notfall auf. Eine Kollegin sagte zu ihm: „Tobi, das hier ist der Notfall.“ Er nahm sich drei Tage. Er machte nichts Besonderes. Er schlief, aß bei seinen Eltern und ging morgens an der Alster spazieren. Genau das brauchte er.
Viertens sprach er mit seiner Stationsleitung. Er war nervös und sagte es trotzdem geradeheraus: Die vielen Nächte am Stück mit den schwersten Fällen zermürbten ihn. Zu seiner Überraschung sagte sie, das sei ihr schon aufgefallen. Sie verteilte die schwersten Patienten gerechter auf das Team und erzählte ihm von der kostenlosen Mitarbeiterberatung des Krankenhauses. Er ging hin. Zum ersten Mal sagte er laut, wie müde er wirklich war.
Und er fing wieder an zu beten. Eines Abends vor dem Dienst war sein Gebet ganz kurz. Er las Matthäus 11,28 und sagte nur: „Herr, ich bin so müde.“ Für Tobias war es das ehrlichste Gebet seit langer Zeit.
Ein paar Monate später ist er manchmal immer noch müde. Nachtdienst bleibt Nachtdienst. Aber an freien Tagen steht er wieder auf, um Fußball zu spielen, und vor dem Kiosk bleibt er nicht mehr stehen.
Probier das heute aus
Nach diesem Dienst: 10 Minuten Abschluss
- Bevor du nach Hause gehst, setz dich zehn Minuten hin und trink etwas Wasser.
- Tipp in dein Handy, was dich aus dem Dienst noch beschäftigt.
- Schreib neben jeden Punkt den nächsten Schritt oder „morgen“.
- Sag dir: „Der Dienst ist vorbei.“ Dann geh nach Hause.
Ein Bibelvers für heute
Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
Matthäus 11,28-30
Für dich
Wenn auch dich dein Job erschöpft
Wenn du das gerade in deiner Pause liest oder im Bus nach Hause, atme erst einmal durch. So eine Müdigkeit ist ein Zeichen, dass du schon lange etwas Schweres trägst.
Such dir eine Sache aus, die Tobias gemacht hat, und probier sie diese Woche aus. Ein kleiner Abschluss nach dem Dienst. Ein Gespräch mit deiner Leitung. Die freien Tage, die du dir für später aufhebst.
Wenn es dir seit mehr als zwei Wochen so geht oder es dir schwerfällt, aufzustehen und die Dinge zu tun, die du früher gemacht hast, sprich mit deinem Hausarzt oder einer Psychotherapeutin. Das ist ein normaler nächster Schritt, und Hilfe wirkt.
Wenn du jetzt gleich irgendwo anfangen willst: HopeBegins ist kostenlos. Wähl aus, wie es dir geht, und du bekommst eine kleine Sache für heute, Übungen zum Ruhigwerden, jemanden, der für dich betet, und kostenlose Nummern, bei denen dir jemand zuhört. Auf der Seite Burnout findest du noch mehr praktische Schritte.
Heute nicht okay?
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Was andere fragen
Ist es normal, trotz Schlaf ständig erschöpft von der Arbeit zu sein?
Wenn Schlaf und freie Tage die Müdigkeit nicht mehr wegmachen, kann das ein Burnout sein. Oft kommen Gereiztheit dazu, keine Lust mehr auf die Arbeit und das Gefühl, dass nichts reicht. Wenn es seit Wochen so geht, sprich mit deinem Hausarzt oder einer Psychotherapeutin.
Was kann ich tun, wenn mich mein Job fertigmacht?
Fang klein an: Schütz deinen Schlaf, schließ jeden Dienst mit einem kurzen Ritual ab, nimm dir freie Tage und sag deiner Leitung, was dich belastet. Erzähl es auch jemandem, dem du vertraust.
Die Bibelzitate stammen aus der Lutherbibel (1912), gemeinfrei.
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