Druck und Burnout

Pflege-Burnout: wie Stefanie lernte, sich auszuruhen, während sie ihre Mama pflegt

Nach dem Schlaganfall ihrer Mutter machte Stefanie alles und ruhte nie. Was ihr half, weiter für sie da zu sein, ohne selbst leerzulaufen.

Anonym verfasstStefanie, 41, pflegt ihre Mutter in Bielefeld5 Min. Lesezeit

Ein Großvater liegt lachend mit seinem Enkel im Gras

Jede Geschichte verbindet Erfahrungen mehrerer Menschen.

Die Geschichte

Alle paar Stunden, acht Monate lang

Stefanies Mutter hatte an einem Sonntag im März einen Schlaganfall, gleich nach dem Mittagessen. Sie überlebte ihn, und nach Klinik und Reha kam sie nach Hause in ihr Reihenhaus in Bielefeld, mit einer schwachen rechten Seite, langsamer Sprache und einer langen Liste an Medikamenten.

Stefanie, 41, Single und die Tochter, die am nächsten wohnte, wurde die Hauptpflegeperson. Ihre jüngere Schwester Jana kam an den Wochenenden, wenn sie konnte, und bezahlte die zusätzliche Physiotherapie. Den Rest machte Stefanie: Medikamente um sechs, zehn, zwei und acht, Mama im Bett umlagern, Essen, das weich sein musste, die Übungen aus der Therapie und die Arzttermine, zu denen sie ein Taxi nahmen.

Nebenbei behielt sie ihre Teilzeitstelle in der Buchhaltung, die sie spätabends am Esstisch erledigte. Acht Monate lang schlief sie nur in kurzen Stücken und verließ das Haus kaum, außer für die Apotheke.

Dann stieß ihre Mutter eines Nachmittags ein Glas Wasser um, und Stefanie schrie. Es war mehr ein Laut als ein Wort, so laut, dass beim Nachbarn der Hund anfing zu bellen. Ihre Mutter fing an zu weinen. Stefanie ging ins Bad, setzte sich auf den geschlossenen Toilettendeckel und weinte noch heftiger.

Was schwer war

Die Anzeichen von Erschöpfung, die Stefanie übersah

Im Rückblick waren die Anzeichen schon seit Monaten da. Sie war ständig müde, selbst nach dem Schlafen. Sie fuhr Jana wegen Kleinigkeiten an, etwa welche Marke Inkontinenzeinlagen sie kaufen sollten. Auf die Nachrichten ihrer Freundinnen antwortete sie nicht mehr. Sie war in einem Monat zweimal krank und arbeitete beide Male einfach weiter.

Sie fühlte sich wegen allem schuldig. Schuldig, wenn sie ungeduldig war, schuldig, wenn sie sich hinsetzte, schuldig, weil sie sich einmal gewünscht hatte, jemand anderes würde übernehmen. „Ich bin die Tochter“, sagte sie sich. „Das ist meine Aufgabe.“ Sich auszuruhen fühlte sich an, als würde sie ihre Mutter im Stich lassen.

Einen kranken Elternteil zu pflegen ist gelebte Liebe, und es ist auch harte körperliche und seelische Arbeit ohne freie Tage. Wenn ein Mensch das monatelang allein trägt, laufen Körper und Seele irgendwann leer. Stefanie gab weiter aus einem leeren Tank und machte sich Vorwürfe, als er trocken lief.

Sie trauerte auch, ganz still. Ihre Mutter lebte und war direkt da, und doch war die Mama, die sie früher geneckt und jeden Sonntag Rouladen gekocht hatte, schwerer zu erreichen. Für dieses Gefühl hatte Stefanie keinen Platz.

Was geholfen hat

Was Stefanie bei der Erschöpfung durch die Pflege half

Der erste Schritt war, Jana die Wahrheit zu sagen. An diesem Abend rief Stefanie ihre Schwester an und sagte: „Ich schaff das nicht mehr allein.“ Jana war einen Moment still, dann fragte sie: „Warum sagst du das erst jetzt?“ Sie hatte angenommen, dass Stefanie zurechtkam, weil Stefanie immer gesagt hatte, sie komme zurecht.

Sie machten einen Plan auf Papier. Jana würde jeden Freitagabend bis Sonntagabend kommen, damit Stefanie zwei Nächte durchschlafen konnte. Eine Cousine, die in der Nähe wohnte, setzte sich an zwei Nachmittagen in der Woche zu Mama. Mit Hilfe der Pflegeberatung beantragten sie einen Pflegegrad, und an drei Vormittagen kam ein ambulanter Pflegedienst. Einen Teil zahlte die Pflegekasse, für den Rest mussten sie knapp rechnen, und Stefanie bekam ihre Vormittage zurück.

Stefanie fing an, kleine Stücke Ruhe zu schützen. Zwanzig Minuten draußen nach dem Mittagessen, während Mama schlief. Ein langsamer Spaziergang zum Bäcker an der Ecke. Ein Abend pro Woche im Hauskreis ihrer Gemeinde, wo die anderen für sie beteten und eine der Frauen anfing, ihr Essen für die Woche vorbeizubringen.

Sie sprach mit dem Arzt ihrer Mutter über das Schwerste: wie sie Mama sicher bewegen konnte, welche Übungen am wichtigsten waren und was sie weglassen durfte. Der Arzt fragte auch, wie Stefanie schlief, und riet ihr, selbst zu ihrer Hausärztin zu gehen. Das tat sie und erfuhr, dass ihr Blutdruck gestiegen war.

Matthäus 11,28-30 hing nun an der Wand über dem Tisch mit den Medikamenten. Stefanie las die Stelle in den schweren Nächten und ließ sie zu einem Gebet für sich selbst werden, genauso wie für Mama.

Mama erholt sich weiter, langsam. Stefanie hat immer noch schwere Tage. Sie lacht aber wieder mit ihrer Mutter, weil sie nicht mehr jede Stunde auf Reserve läuft.

Probier das heute aus

Diese Woche: eine Bitte, eine Pause

  1. Schreib jede Pflegeaufgabe auf, die du in einer Woche erledigst.
  2. Such dir eine Aufgabe aus, die jemand anderes übernehmen könnte, und bitte einen bestimmten Menschen darum.
  3. Wähl eine Pause von 20 Minuten, die du dir jeden Tag nimmst, und trag sie in den Kalender auf deinem Handy ein.
  4. Erzähl einem Menschen, dem du vertraust, wie es dir wirklich geht.

Ein Bibelvers für heute

Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Matthäus 11,28-30

Für dich

Wenn du jemanden pflegst und selbst auf Reserve läufst

Wenn du einen Elternteil, deinen Partner, deine Partnerin oder ein krankes Kind pflegst, ist die Müdigkeit, die du spürst, echt, und die Liebe auch. Dass du Ruhe brauchst, nimmt nichts davon weg, wie sehr du dich sorgst. Auch du bist ein Mensch, und wer ausgeruht pflegt, hält länger durch.

Bitte diese Woche einen bestimmten Menschen um eine bestimmte Sache: zwei Stunden am Samstag, ein Essen, eine Nacht Schlaf. Viele wollen helfen und wissen nicht, wie. Dann schütze jeden Tag ein kleines Stück Ruhe, auch wenn es nur zwanzig Minuten sind. Bei der Pflegeberatung der Pflegekasse oder einem Pflegestützpunkt kannst du dich außerdem kostenlos beraten lassen, welche Entlastung euch zusteht.

Wenn du dich seit Wochen an den meisten Tagen erschöpft fühlst, die Menschen, die du liebst, immer wieder anfährst oder dich taub oder hoffnungslos fühlst, sprich mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer Beratungsstelle. Auch wer pflegt, braucht Fürsorge, und darum zu bitten ist ein ganz normaler nächster Schritt.

Wenn du heute irgendwo anfangen möchtest: HopeBegins ist kostenlos. Wähl aus, wie es dir geht, und du bekommst eine kleine Sache für heute, Übungen zum Ruhigwerden für die schweren Nächte, jemanden, der für dich und deine Familie betet, und kostenlose Nummern, unter denen du mit jemandem reden kannst. Auf der Seite über Burnout findest du mehr dazu, was hilft, wenn du nur noch auf Reserve läufst.

Heute nicht okay?

HopeBegins ist kostenlos. Wähl aus, wie es dir geht, und du bekommst eine kleine Sache, die du heute ausprobieren kannst, Übungen zur Beruhigung, jemanden, der für dich betet, und kostenlose Telefonhilfe in deinem Land.

Was andere fragen

Woran erkenne ich, dass mich die Pflege überfordert?

Häufige Anzeichen sind ständige Müdigkeit, Gereiztheit, Rückzug von Freunden, häufige Infekte und ein schlechtes Gewissen, sobald du dich ausruhst. Wenn das wochenlang anhält, sprich mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer Beratungsstelle.

Wie kann ich gut für mich sorgen, während ich meine Eltern pflege?

Verteil die Last, indem du Familie oder Nachbarn um ganz bestimmte Hilfe bittest, und schütze jeden Tag kleine Stücke Ruhe. Geh auch selbst zum Arzt, und behalte mindestens einen Ort, an dem Menschen für dich beten und nach dir fragen.

Wo bekommen pflegende Angehörige Hilfe?

Die Pflegekasse bietet eine kostenlose Pflegeberatung an, und in vielen Orten gibt es Pflegestützpunkte. Dort erfährst du, ob ein Pflegegrad infrage kommt und welche Entlastung möglich ist, zum Beispiel durch einen ambulanten Pflegedienst oder Kurzzeitpflege.

Die Bibelzitate stammen aus der Lutherbibel (1912), gemeinfrei.

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