Druck und Burnout

Bachelorarbeit, ein Zusammenbruch um zwei Uhr nachts und was Lukas half

Er war der Erste in seiner Familie, der studierte. Als die Bachelorarbeit auseinanderfiel, fiel er mit, bis er das Schwere laut aussprach.

Anonym verfasstLukas, 22, studiert Bauingenieurwesen in Aachen5 Min. Lesezeit

Ein Mann liegt wach im Bett und denkt nach

Jede Geschichte verbindet Erfahrungen mehrerer Menschen.

Die Geschichte

Die Nacht, in der sich die Datei nicht öffnen ließ

Lukas war im letzten Semester seines Bauingenieurstudiums in Aachen. Er wohnte in einer WG mit drei anderen Studenten. Seine Eltern führen einen kleinen Eisenwarenladen in der Eifel, und er war der Erste in der Familie, der studierte.

Jede Woche schickte seine Mutter dieselbe Nachricht: „Wie läuft die Bachelorarbeit? Wir sind so stolz auf dich.“ Er antwortete mit einem Daumen nach oben. Er erzählte ihnen nicht, dass seine Messdaten aus dem Labor ein einziges Durcheinander waren, dass sein Betreuer ihm Kapitel drei zweimal zurückgeschickt hatte und dass die Abgabe in fünf Wochen war.

An einem Dienstag um zwei Uhr nachts, nach drei Nächten mit je vier Stunden Schlaf, fror sein Laptop ein, und die Datei ließ sich nicht mehr öffnen. Etwas in ihm gab nach. Er saß auf dem Badezimmerboden, die Hände zitterten, und er weinte so sehr, dass er kaum Luft bekam. Er konnte nur denken: Ich falle durch, und alles, wofür sie gearbeitet haben, war umsonst.

Sein Mitbewohner Malte klopfte. „Alles okay bei dir?“ Lukas sagte Ja. Malte ging nicht weg. Er setzte sich vor die Tür, bis Lukas herauskam, gab ihm ein Glas Wasser und sagte: „Komm, wir essen was. Der Döner an der Ecke hat noch auf.“

Was schwer war

Warum der Stress bei der Abschlussarbeit so hart trifft

Das letzte Semester packt alles auf einmal drauf. Klausuren in anderen Fächern, Laborzeiten, ein Betreuer mit wenig Zeit und eine Abgabe, die sich anfühlt, als würde sie über die ganze Zukunft entscheiden.

Für Lukas war die Arbeit nur die Hälfte. Die andere Hälfte war, was sie bedeutete. Jede Monatsmiete in Aachen kam aus Zementsäcken und Schraubenkartons, die sein Vater verkaufte. Durchzufallen fühlte sich an, als würde er seine Eltern im Stich lassen. Also versteckte er jede schlechte Woche und sagte immer wieder „läuft“, bis gar nichts mehr lief.

Auch sein Körper zahlte dafür: wenig Schlaf, zu viel Automatenkaffee, ausgelassene Mahlzeiten, keine freien Tage. Nach Wochen wie diesen fühlen sich kleine Probleme an wie das Ende der Welt. Ein eingefrorener Laptop war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Dann war da noch sein Feed. Andere posteten Fotos ihrer frisch gebundenen Arbeiten aus dem Copyshop und vom Anstoßen danach. Jeder Post fühlte sich an wie ein Beweis, dass er hinterherhing.

Er glaubte auch, dass um Hilfe zu bitten hieße, schwach zu sein. Alle anderen schienen klarzukommen. Monate später erfuhr er, dass es den meisten aus seinem Semester genauso gegangen war und dass alle es voreinander versteckt hatten.

Was geholfen hat

Was Lukas gegen den Stress im Studium half

Bei einem Döner um drei Uhr nachts erzählte Lukas Malte alles. Malte hörte zu und half ihm dann, die nächsten fünf Wochen auf einer Serviette in eine Liste zu zerlegen: was wann fällig war, was als Nächstes kam und was warten konnte.

Am nächsten Tag tat Lukas etwas, das er einen Monat lang vor sich hergeschoben hatte. Er schrieb seinem Betreuer eine E-Mail, erklärte, wo er feststeckte, und bat um fünfzehn Minuten. Der Betreuer nahm sich dreißig und fand das Problem in den Daten nach zehn. „Das hätten wir schon vor Wochen klären können“, sagte er.

Lukas stellte sich für die letzten fünf Wochen ein paar Regeln auf. Um eins ins Bett, ohne Ausnahme. Eine richtige Mahlzeit am Tag, zusammen mit jemandem. Jeden Sonntag eine Stunde ganz ohne Bachelorarbeit. Er war sicher, dass er dadurch Zeit verlor. Seine Arbeit wurde besser, weil er endlich wieder klar denken konnte.

Malte behielt ihn im Blick. Gegen Mitternacht klopfte er und stellte eine einzige Frage: „Feierabend?“ An den meisten Abenden klappte Lukas den Laptop zu.

Malte schlug ihm die psychologische Beratung des Studierendenwerks vor, und Lukas ging hin, den ganzen Weg über nervös. Die Beraterin half ihm mit der Panik, die er jedes Mal spürte, wenn er die Datei öffnete, und mit der Stimme in seinem Kopf, die ihm sagte, eine schlechte Note mache ihn zum Versager.

Dann rief er zu Hause an. „Mama, es ist echt schwer. Kann sein, dass ich ein Semester länger brauche.“ Er machte sich auf etwas gefasst. Seine Mutter war einen Moment still, dann sagte sie: „Du bist uns wichtiger als jeder Abschluss. Komm am Wochenende erst mal nach Hause.“ Er fuhr nach Hause, schlief zwölf Stunden und aß die Rouladen seiner Mutter. Beim Sonntagsessen betete sein Vater für ihn, etwas, das Lukas seit seiner Kindheit nicht mehr gehört hatte.

Am Abend vor der Abgabe schickte ihm seine Mutter Matthäus 6,34. Er gab pünktlich ab, und ein paar Wochen später bestand er auch das Kolloquium.

Probier das heute aus

Heute: der Serviettenplan

  1. Schreib alles auf, was in den nächsten zwei Wochen fällig ist.
  2. Schreib neben jeden Punkt den allernächsten Schritt, so klein, dass du ihn in 30 Minuten schaffst.
  3. Schick eine Nachricht und bitte um Hilfe: an deinen Betreuer, jemanden aus deinem Semester oder einen Freund.
  4. Leg fest, wann du heute Abend aufhörst zu arbeiten, und halt dich daran.

Ein Bibelvers für heute

Darum sorgt nicht für den andern Morgen; denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe.

Matthäus 6,34

Für dich

Wenn dich der Stress im Studium gerade erdrückt

Wenn du das um zwei Uhr nachts liest und in einem anderen Tab deine Abschlussarbeit offen ist, mach sie für heute zu. Ein ausgeruhter Kopf löst in einer Stunde, womit ein müder die ganze Nacht kämpft.

Deine Arbeit ist wichtig, und du bist wichtiger. Ein verspätetes Kapitel lässt sich reparieren. Ein Körper, der mit drei Stunden Schlaf läuft, braucht zuerst Fürsorge.

Mach morgen eine Sache: Sag einem Menschen, wie schlimm es wirklich ist. Jemandem aus deiner WG oder deinem Semester, deiner Betreuerin oder deinem Betreuer, deinen Eltern. Die meisten wollen helfen und haben keine Ahnung, dass du Hilfe brauchst.

Wenn du dich hoffnungslos fühlst, nicht schlafen kannst oder seit mehr als zwei Wochen mit dem Alltag nicht mehr hinterherkommst, sprich mit der psychologischen Beratung deiner Hochschule oder deines Studierendenwerks oder mit einer Ärztin. Das ist ein normaler nächster Schritt, und Hilfe wirkt.

Wenn du jetzt gleich irgendwo anfangen willst: HopeBegins ist kostenlos. Wähl aus, wie es dir geht, und du bekommst eine kleine Sache für heute, Übungen zum Ruhigwerden für Nächte vor der Abgabe, jemanden, der für dich betet, und kostenlose Nummern, bei denen dir jemand zuhört. Wenn dein Akku leer ist, lies Ich bin müde von allem.

Heute nicht okay?

HopeBegins ist kostenlos. Wähl aus, wie es dir geht, und du bekommst eine kleine Sache, die du heute ausprobieren kannst, Übungen zur Beruhigung, jemanden, der für dich betet, und kostenlose Telefonhilfe in deinem Land.

Was andere fragen

Was hilft gegen Stress bei der Bachelorarbeit?

Zerleg die Arbeit in kleine nächste Schritte, frag deinen Betreuer früh, wenn du feststeckst, und schütz deinen Schlaf und deine Mahlzeiten. Wenn dich der Stress wochenlang lahmlegt, sprich mit der psychologischen Beratung deines Studierendenwerks.

Ist es normal, wegen Stress im Studium zusammenzubrechen?

Viele Studierende kommen an einen Punkt, an dem nichts mehr geht, wenn sich der Druck wochenlang ohne Pause aufbaut. Das ist ein Zeichen, langsamer zu machen und dir Unterstützung zu holen. Einem Menschen davon zu erzählen, dem du vertraust, ist ein guter erster Schritt.

Die Bibelzitate stammen aus der Lutherbibel (1912), gemeinfrei.

Weitere Geschichten

Alle Geschichten im Blog