Einsamkeit

Einsam in einer neuen Stadt: Svenjas erstes Jahr in Frankfurt

Der Job war ein Traum. Die Wochenenden waren das Schwere. So fühlte sich Frankfurt für Svenja langsam ein bisschen mehr wie zu Hause an.

Anonym verfasstSvenja, 24, Berufseinsteigerin in Frankfurt, aus Ostfriesland5 Min. Lesezeit

Ein junger Mann sitzt allein auf einer Parkbank in der Morgensonne

Jede Geschichte verbindet Erfahrungen mehrerer Menschen.

Die Geschichte

Abendessen für eine in einer Stadt voller Menschen

Im Januar bekam Svenja die Zusage: eine Stelle als Junior-Analystin bei einer Bank in Frankfurt. Ihre Familie in Ostfriesland feierte mit Butterkuchen vom Bäcker neben der Kirche. Zwei Wochen später packte sie Kisten aus, in einem Apartment in Offenbach, so groß wie ihr altes Kinderzimmer.

Unter der Woche ging es. Die Arbeit hielt sie beschäftigt, und die S-Bahn fraß den Rest des Tages. Die Wochenenden waren anders. Samstagmorgens wachte sie in der Stille auf. Sie aß im Stehen an der Küchenzeile zu Abend und schaute Videos von zu Hause. Ihre Mutter rief jeden Sonntag an. „Und, was hast du gegessen, Deern?“ Svenja sagte immer etwas Schöneres als die Wahrheit.

Sie sagte sich, das sei nur vorübergehend. Wenn sie sich erst an die Stadt gewöhnt hätte, würde es besser. Die Monate vergingen, und die Wochenenden blieben gleich.

Bei der Arbeit hatten alle schon ihre Leute. Sie gingen nach Feierabend in Grüppchen los, die sich lange vor Svenjas Ankunft gebildet hatten. Svenja lächelte in der Teeküche, sagte am Aufzug „Schönen Feierabend“ und fuhr nach Hause.

An einem Samstag im Mai traf es sie. Seit Freitagnachmittag hatte sie kein einziges Wort laut gesagt. Sie setzte sich in ihrem Apartment auf den Boden und weinte, und dann kam sie sich albern vor, weil sie weinte. Sie hatte den Job, den sie wollte. Warum fühlte sie sich so?

Was schwer war

Warum ein Umzug in eine neue Stadt so einsam machen kann

Svenja war noch nie richtig allein gewesen. In Ostfriesland kam immer eine Tante zum Tee vorbei, ein Cousin stand am Gartenzaun, und sonntags saßen in der Kirche dieselben Gesichter wie seit ihrer Kindheit. Freunde hatte sie nie neu finden müssen. Sie waren einfach da.

In Frankfurt kostete alles Mühe, und Einsamkeit raubt genau die Kraft, die man dafür braucht. Nach einer langen Woche war es leichter, zu Hause zu bleiben, als in einen Raum voller Fremder zu gehen. Jedes Wochenende zu Hause machte das nächste schwerer.

Sie hatte auch das Gefühl, kein Recht zu haben, sich zu beklagen. Sie war doch diejenige, die gegangen war, die mit dem guten Job. „Ich bin einsam“ zu sagen, fühlte sich an wie das Eingeständnis, gescheitert zu sein.

Die Einsamkeit veränderte auch, wie sie andere las. Eine Kollegin, die spät antwortete, schien genervt von ihr. Ein Mittagessen, zu dem sie nicht eingeladen war, wirkte wie ein Beweis, dass sie nicht dazugehörte. Das meiste davon, merkte sie später, spielte sich nur in ihrem müden Kopf ab.

Was geholfen hat

Was Svenja half, sich weniger einsam zu fühlen

Es fing klein an. Eine Kollegin namens Imke erwähnte, dass sie aus Bremen kam. Fast hätte Svenja den Moment vorbeiziehen lassen. Dann sagte sie: „Ich komm aus Ostfriesland! Wollen wir zusammen Mittag essen?“ Sie aßen in der Kantine und waren sich einig, dass in Frankfurt niemand richtigen Tee kochen kann.

Svenja stellte sich eine Regel auf: jede Woche zu einer Sache Ja sagen, auch wenn sie müde war. Ein Teamfrühstück am Freitag. Ein Lauftreff am Mainufer, der sich um sechs Uhr morgens traf. Die meisten Wochen fühlte es sich komisch an. Manche Wochen nicht, und die reichten, um weiterzumachen.

Sie fand eine evangelische Gemeinde in ihrer Nähe und ging drei Sonntage hintereinander hin, bevor jemand mit ihr sprach. Am dritten Sonntag fragte eine Frau namens Birgit, ob sie zu einem Hauskreis für junge Berufstätige kommen wolle, der sich mittwochabends traf. Svenja ging hin. Sechs Monate später war das der Abend, auf den sie sich die ganze Woche freute.

Sie machte ihr Apartment zu ihrem. Eine kleine Pflanze vom Wochenmarkt, ein gerahmtes Foto ihrer Familie am Deich und ein Stövchen, damit sie sonntags Tee trinken konnte wie bei ihrer Mutter, mit Kluntjes und Sahne. Der Duft von zu Hause machte die Stille leichter.

Bei ihrer Mutter hörte sie auf, so zu tun, als ob. In einem Sonntagstelefonat sagte sie: „Mama, manchmal bin ich hier ganz schön einsam.“ Ihre Mutter geriet nicht in Panik. Sie fing an, ihr jeden Morgen Sprachnachrichten zu schicken, kleine Neuigkeiten über den Hund und den Apfelbaum der Nachbarn. Svenja hörte sie in der S-Bahn.

In den schwersten Nächten las sie Psalm 46,2. Ihre Oma hatte ihn vorne in die Bibel geschrieben, die Svenja zur Konfirmation bekommen und von zu Hause mitgebracht hatte.

Probier das heute aus

Diese Woche: ein kleines Ja

  1. Schau dir deine Woche an und such dir eine Sache aus, zu der du Ja sagst: ein Mittagessen, ein Kurs oder ein Gottesdienst.
  2. Schreib einem Menschen von zu Hause, einfach um Hallo zu sagen, ganz ohne Grund.
  3. Lern den Namen von jemandem, den du oft siehst, zum Beispiel vom Hausmeister oder von der Bäckerin.
  4. Plan an einem stillen Wochenende einen Grund, aus dem Haus zu gehen, und sei es nur ein Spaziergang zu einem Café.

Ein Bibelvers für heute

Gott ist unsre Zuversicht und Stärke. Eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.

Psalm 46,2

Für dich

Wenn du dich gerade in einer neuen Stadt einsam fühlst

Wenn du für den Job oder das Studium umgezogen bist und deine Wochenenden still sind, dann ergibt diese Einsamkeit Sinn. Du hast ein ganzes Netz aus Menschen zurückgelassen, und ein neues braucht Zeit zum Wachsen.

Such dir diese Woche ein kleines Ja aus. Ein Mittagessen, ein Kurs, ein Gottesdienst, ein Hallo an jemanden aus deiner Heimat. Manches wird sich komisch anfühlen, und es reicht, wenn ein paar Dinge gelingen.

Wenn aus der Einsamkeit eine gedrückte Stimmung wird, die länger als zwei Wochen anhält, oder sie anfängt, deinen Schlaf und deine Arbeit zu beeinträchtigen, sprich mit einer Ärztin oder einem Psychotherapeuten. Das ist ein normaler nächster Schritt, und Hilfe wirkt.

Und für heute Abend: HopeBegins ist kostenlos. Wähl aus, wie es dir geht, und du bekommst eine kleine Sache für heute, Übungen zum Ruhigwerden, jemanden, der für dich betet, und kostenlose Nummern, bei denen dir jemand zuhört, wenn es in der Wohnung zu still ist. Vielleicht hilft dir auch Ich fühle mich allein.

Heute nicht okay?

HopeBegins ist kostenlos. Wähl aus, wie es dir geht, und du bekommst eine kleine Sache, die du heute ausprobieren kannst, Übungen zur Beruhigung, jemanden, der für dich betet, und kostenlose Telefonhilfe in deinem Land.

Was andere fragen

Ist es normal, sich nach einem Umzug einsam zu fühlen?

Ja. Du hast Familie und Freunde zurückgelassen, und neue Freundschaften brauchen Monate. Meistens wird es leichter, wenn du kleine, feste Gewohnheiten mit anderen Menschen aufbaust.

Wie finde ich in einer neuen Stadt Freunde?

Sag Ja zu kleinen, regelmäßigen Dingen, bei denen du jede Woche dieselben Leute siehst, zum Beispiel ein Hauskreis, ein Kurs oder ein Verein. Immer wieder dieselben Gesichter zu sehen ist der Anfang von Freundschaft.

Die Bibelzitate stammen aus der Lutherbibel (1912), gemeinfrei.

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