Trauer und Liebeskummer

Der Morgen ohne Semmeln: Trauer um die Oma

Lea ist 25 Jahre lang mit Omas Kaffee aufgewacht. Nach der Beerdigung blieb die Küche dunkel. So lernte sie, die Trauer zu tragen.

Anonym verfasstLea, 25, Grundschullehrerin im Allgäu4 Min. Lesezeit

Frische Brötchen, Brezeln und Croissants zum Frühstück

Jede Geschichte verbindet Erfahrungen mehrerer Menschen.

Die Geschichte

Kaffee und Semmeln um sechs

Solange Lea denken konnte, war ihre Oma als Erste wach. Um sechs roch die Küche in ihrem Haus im Allgäu nach Filterkaffee, und auf dem Tisch lag eine Tüte mit warmen Semmeln vom Bäcker. Oma schenkte Lea eine Tasse ein und stellte jeden Tag dieselbe Frage: „Und, was hast du heute vor?“

Im Juni wurde Oma krank. Im August starb sie. Dann kamen die Tage bis zur Beerdigung: Verwandte aus Stuttgart und Hamburg, die Trauerfeier, das Beisammensein danach im Gasthof, ein langer Tisch voller Kuchen. Lea schenkte Kaffee aus und hielt sich beschäftigt. Sie weinte kaum.

Dann fuhren alle nach Hause. Am ersten Montag nach der Beerdigung wachte Lea aus Gewohnheit um sechs auf und ging in die Küche. Es war dunkel. Kein Kaffee. Keine Semmeln. Sie stand da im Schlafanzug, und endlich brach es aus ihr heraus.

Was schwer war

Warum die Trauer oft nach der Beerdigung am stärksten ist

In den Tagen bis zur Beerdigung gab es immer etwas zu tun. Danach hörte die Geschäftigkeit auf, und der Verlust zog in die ganz normalen Momente ein. Der Stuhl, auf dem Oma immer saß. Ihre Hausschuhe an der Tür. Ihre Nummer, noch immer in Leas Handy unter „Oma Resi“.

Nach einer Woche ging Lea wieder in die Schule. Vor ihrer vierten Klasse lächelte sie, und in der großen Pause weinte sie auf der Lehrertoilette. Sie fuhr ihre Mutter an und fühlte sich danach schuldig. An manchen Tagen fühlte sie gar nichts, und das machte ihr noch mehr Angst.

Die Leute meinten es gut. „Sie ist jetzt an einem besseren Ort.“ „Wenigstens muss sie nicht mehr leiden.“ Lea glaubte beides, und trotzdem erreichte keiner dieser Sätze die leere Stelle in ihren Morgen.

Sie fand auch, dass sie langsam darüber hinweg sein müsste. Oma war 84. Andere verloren ihre Eltern, sogar Kinder. Wer war sie, wegen einer Großmutter so zusammenzubrechen? Also hielt sie ihre Trauer klein und leise, und sie blieb schwer.

Was geholfen hat

Wie Lea lernte, mit der Trauer umzugehen

Als Erstes half es, der Trauer so viel Platz zu lassen, wie sie brauchte. Eines Abends kam der Pastor ihrer Gemeinde vorbei und sagte: „Du hattest sie 25 Jahre lang jeden Morgen. Natürlich tut das weh.“ Zum ersten Mal seit der Beerdigung weinte Lea vor einem anderen Menschen.

Sie holte die Morgen auf eine neue Art zurück. An einem Samstag kaufte sie Semmeln, brühte Kaffee mit Omas altem Porzellanfilter auf und setzte sich mit ihrer Mutter an den Tisch. Sie redeten über Oma: ihre schlechten Witze, ihr Schimpfen, wie sie beim Hofkehren Kirchenlieder summte. Sie lachten, dann weinten sie, dann lachten sie wieder. Daraus wurde ihr Samstagsritual.

Sie schrieb an Oma, in ein kleines Heft, die Dinge, die sie ihr beim Kaffee erzählt hätte. „Oma, die Vierte ist dieses Jahr ganz schön wild.“ „Oma, heute vermisse ich dich.“ An manchen Tagen schrieb sie nichts. Das Heft war da, wenn sie es brauchte.

Sie ließ auch ihren Körper trauern. Sie schlief, wenn sie müde war, ging am späten Nachmittag eine Runde an der Iller und sagte eine Zeit lang Nein zu zusätzlichen Aufgaben in der Schule.

Und sie betete ehrlich. An manchen Abenden war sie wütend. An manchen sagte sie nur: „Herr, ich vermisse sie.“ Psalm 34,19 fühlte sich so wahr an wie nie zuvor.

Monate später war die Trauer immer noch da, aber sie hatte sich verändert. Sie kam jetzt in Wellen. An guten Tagen konnte Lea an Oma denken und lächeln. An schweren Tagen wusste sie, wen sie anrufen konnte.

Probier das heute aus

Diese Woche: eine Gewohnheit weiterführen

  1. Such dir eine Sache aus, die der Mensch, den du vermisst, immer gemacht hat: ein Rezept, ein Lied, eine Tasse Kaffee am Morgen.
  2. Mach es diese Woche einmal, für dich oder mit jemandem, der diesen Menschen auch geliebt hat.
  3. Erzähl dabei eine Geschichte über ihn oder sie.
  4. Wenn du weinst, lass es zu. Wenn du lachst, lass das auch zu.

Ein Bibelvers für heute

Der HERR ist nahe bei denen, die zerbrochnes Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagen Gemüt haben.

Psalm 34,19

Für dich

Wenn du um einen Menschen trauerst, den du liebst

Wenn du gerade jemanden vermisst: Dafür gibt es keinen Zeitplan. Trauer kommt in Wellen, oft in den kleinen Dingen des Alltags, die ihr geteilt habt. Sie zu fühlen gehört dazu, wenn man jemanden geliebt hat.

Probier diese Woche eine kleine Sache aus. Erzähl einem Menschen eine Geschichte über den Menschen, den du verloren hast. Halt eine seiner Gewohnheiten lebendig: ein Rezept, ein Lied, eine Tasse Kaffee am Morgen. Schreib ihm ein paar Zeilen.

Wenn dir die Trauer über Wochen das Schlafen, Essen, Arbeiten oder den Alltag schwer macht oder du dich hoffnungslos fühlst, sprich mit einer Ärztin oder einem Psychotherapeuten. Sich bei Trauer Unterstützung zu holen ist ein normaler nächster Schritt.

Und wenn du heute irgendwo anfangen willst: HopeBegins ist kostenlos. Wähl aus, wie es dir geht, und du bekommst eine kleine Sache für heute, Übungen zum Ruhigwerden, jemanden, der für dich betet, und kostenlose Nummern, bei denen dir jemand zuhört. Für schwere Tage findest du unter Bibelverse, wenn du traurig bist ein paar Verse und ein kurzes Gebet.

Heute nicht okay?

HopeBegins ist kostenlos. Wähl aus, wie es dir geht, und du bekommst eine kleine Sache, die du heute ausprobieren kannst, Übungen zur Beruhigung, jemanden, der für dich betet, und kostenlose Telefonhilfe in deinem Land.

Was andere fragen

Wie verarbeite ich den Tod von Oma oder Opa?

Lass die Trauer zu, rede mit Menschen, die sie oder ihn auch geliebt haben, und behalte kleine Rituale, die dich an sie oder ihn erinnern. Schlaf, iss und ruh dich aus, so gut es geht. Wenn die Trauer dir über Wochen den Alltag sehr schwer macht, sprich mit einer Ärztin oder einem Psychotherapeuten.

Ist es normal, so sehr um die Großeltern zu trauern?

Ja. Wenn deine Oma oder dein Opa zu deinem Alltag gehört hat, kann der Verlust so wehtun wie jeder andere. Für Trauer gibt es kein richtiges Maß an Zeit.

Die Bibelzitate stammen aus der Lutherbibel (1912), gemeinfrei.

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