Gedrückte Stimmung
Keine Lust auf nichts: wie die Farbe in Felix’ Tage zurückkam
Wochenlang lag er nur im Bett, ohne Interesse an den Dingen, die er liebte. Das sind die kleinen Schritte, die ihm geholfen haben.
Anonym verfasstFelix, 28, freiberuflicher Videoeditor in Freiburg6 Min. Lesezeit

Jede Geschichte verbindet Erfahrungen mehrerer Menschen.
Die Geschichte
Die grauen Tage
Felix war freiberuflicher Videoeditor in Freiburg. Früher war er immer der Erste, der samstags einen Bummel über den Flohmarkt vorschlug oder nachts eine Runde Online-Zocken mit den Jungs. Im August verlor er nach und nach die Lust an alldem.
Zuerst war es das Essen. Morgens ein Brötchen, Kaffee, und dann nichts mehr bis zum Abend. Dann das Zocken. Er klappte den Laptop auf, starrte auf das Spiel und klappte ihn wieder zu. Sogar seine Projekte, die er eigentlich liebte, fühlten sich an wie eine Last.
Selbst seinen Lieblingsdöner vom Imbiss an der Ecke, von dem er früher manchmal zwei gegessen hatte, schaffte er nicht mehr. Dem Besitzer fiel es auf. „Na, Felix, machst du Diät?“ Er lächelte nur.
In der Gruppe ließ er alles auf „gelesen“ stehen. „Felix, kommst du nachher mit?“ „Diesmal nicht. Bin platt.“ Dabei lag er den ganzen Tag im Bett und starrte an die Decke, während draußen der Regen fiel.
An einem Sonntag rief seine Mutter aus dem Allgäu an. „Hast du schon was gegessen?“ „Ja“, sagte er, obwohl es nicht stimmte. Nach dem Anruf dachte er: „Was ist los mit mir? Es ist nichts passiert, und ich habe auf nichts mehr Lust.“
Was schwer war
Warum man die Lust an allem verlieren kann
Das Schwierige für Felix war, dass er keinen Grund nennen konnte. Keine Trennung, kein Todesfall, und Aufträge hatte er auch. Also schimpfte er mit sich selbst: „Stell dich nicht so an. Du bist einfach faul.“ Davon wurde alles nur schwerer.
Was er damals nicht wusste: Wenn man über längere Zeit die Freude an Dingen verliert, die einem früher Spaß gemacht haben, kann das ein Anzeichen für eine Depression sein. Das ist noch wahrscheinlicher, wenn sich Schlaf und Appetit verändern, eine Müdigkeit bleibt, die nicht weggeht, und das Konzentrieren schwerfällt. Das Gefühl ist echt, und es gibt Hilfe dafür.
Auch sein Schlaf hatte sich verändert. In manchen Nächten schlief er erst um drei ein, an anderen Tagen schlief er zwölf Stunden und wachte trotzdem müde auf. Er hatte nicht einmal Energie zum Duschen, und die Mail eines Kunden zu beantworten fühlte sich an wie eine Bergtour.
Außerdem wohnte er allein und arbeitete von zu Hause. Den ganzen Tag sah ihn niemand, also merkte es auch niemand. Und weil er still war, dachten seine Freunde, er habe einfach viel zu tun.
Drei Wochen vergingen, dann fünf. Da bekam er Angst.
Was geholfen hat
Was Felix half, wieder Antrieb zu finden
Der erste Schritt war eine Nachricht an Tobi, seinen ältesten Freund: „Du, irgendwas stimmt nicht mit mir. Ich hab seit Wochen auf nichts mehr Lust.“ Tobi hielt ihm keinen Vortrag. Er kam am nächsten Tag mit zwei Bechern Kaffee und Brezeln vorbei, und sie saßen auf dem Balkon, während der Nebel noch über den Hügeln hing.
Es war Tobi, der sagte: „Lass das doch mal checken. Vielleicht ist das mehr als Müdigkeit.“ Felix war es peinlich, und er stimmte trotzdem zu. Er machte einen Termin bei einer Hausärztin, die nach seinem Schlaf, seinem Essen und der Dauer fragte. Sie überwies ihn an einen Psychiater, und er begann eine Behandlung und eine Psychotherapie.
Die Erleichterung kam langsam. Nach ein paar Wochen merkte er, dass ihm das Aufstehen leichter fiel. Der Kaffee schmeckte wieder. Er lachte über ein Meme in der Gruppe und war selbst überrascht.
Während er darauf wartete, dass die Behandlung wirkte, machte er kleine Dinge. Jeden Morgen ein Spaziergang, auch wenn es nur zehn Minuten waren, auf dem Weg am Waldrand hinter seiner Wohnung. Eine richtige Mahlzeit am Tag, auch wenn sie einfach war. Eine Nachricht in der Gruppe, auch wenn es nur ein Emoji war.
Jeden Samstag schrieb Tobi: „Drehen wir ’ne Runde?“ Manchmal sagte Felix ja, manchmal nein. Tobi fragte trotzdem jede Woche wieder, und daran merkte Felix, dass jemand auf ihn wartete.
Er betete auch, selbst wenn es nur kurz war. An manchen Tagen war sein ganzes Gebet: „Herr, ich habe zu nichts mehr Antrieb. Bitte bleib bei mir.“ Er las Psalm 42,12, wo der Beter mit seiner eigenen Seele spricht, und spürte, dass Gott diese Art von Schwere kennt.
Außerdem sagte er zwei Kunden, dass er mehr Zeit für die Abgabe brauchte. Beide waren einverstanden, und einer schrieb eine Woche später sogar, um zu fragen, wie es ihm geht.
Probier das heute aus
Heute: drei kleine Dinge
- Geh zehn Minuten raus, auch wenn es nur vor die Haustür ist.
- Iss eine richtige Mahlzeit, auch wenn sie einfach ist.
- Schreib einem Menschen, dem du vertraust: „Mir geht’s gerade nicht gut.“
- Wenn es dir seit zwei Wochen so geht, mach einen Termin in deiner Hausarztpraxis oder einer psychotherapeutischen Praxis.
Ein Bibelvers für heute
Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott! denn ich werde ihm noch danken, daß er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.
Psalm 42,12
Für dich
Wenn du gerade auf nichts Lust hast
Wenn das gerade du bist, im Bett, ohne Lust auf dein Lieblingsessen oder dein Lieblingsspiel: Was du fühlst, ist echt, auch wenn du keinen Grund nennen kannst. Es gibt Hilfe dafür, und du kannst klein anfangen.
Such dir heute eins aus: zehn Minuten rausgehen, eine richtige Mahlzeit essen oder einem Menschen schreiben, wie es dir wirklich geht. Und wenn du jemanden kennst, der in den letzten Wochen still geworden ist, schreib dieser Person auch. Manchmal braucht ein Mensch nur ein „Wie geht’s dir wirklich?“, um anzufangen zu reden.
Wenn es schon zwei Wochen oder länger so geht oder es dir schwerfällt, zu arbeiten, zu lernen oder für dich zu sorgen, sprich mit deiner Hausärztin, deinem Hausarzt oder einer psychotherapeutischen Praxis. Für die psychotherapeutische Sprechstunde brauchst du keine Überweisung. Das ist ein ganz normaler nächster Schritt, und Hilfe wirkt.
Wenn du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, ruf die TelefonSeelsorge an: kostenlos und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222. In Österreich wählst du die 142, in der Schweiz die 143. Wenn du in akuter Gefahr bist, ruf die 112 an. Solche Gedanken können sich wieder ändern, und es gibt Menschen, die dir durch diese Zeit helfen.
Wenn du heute irgendwo anfangen möchtest: HopeBegins ist kostenlos. Wähl aus, wie es dir geht, und du bekommst eine kleine Sache für heute, Übungen zum Ruhigwerden, jemanden, der für dich betet, und kostenlose Nummern, unter denen du mit jemandem reden kannst. Lies Ich fühle mich depressiv, wenn du wissen willst, was du als Nächstes tun kannst.
Heute nicht okay?
HopeBegins ist kostenlos. Wähl aus, wie es dir geht, und du bekommst eine kleine Sache, die du heute ausprobieren kannst, Übungen zur Beruhigung, jemanden, der für dich betet, und kostenlose Telefonhilfe in deinem Land.
Was andere fragen
Warum habe ich auf nichts mehr Lust?
Das kann von großer Erschöpfung, Stress oder einer schweren Zeit kommen. Wenn es zwei Wochen oder länger anhält und sich Schlaf und Appetit verändern, kann es ein Anzeichen für eine Depression sein. Dann ist es gut, ärztlich oder psychotherapeutisch darüber zu sprechen.
Was hilft, wenn man zu nichts Lust hat?
Fang klein an: ein Spaziergang, eine richtige Mahlzeit, eine Nachricht an jemanden, dem du vertraust. Wenn es schon länger so geht, hol dir Hilfe in deiner Hausarztpraxis oder in einer psychotherapeutischen Sprechstunde.
Ist Antriebslosigkeit ein Zeichen für Depression?
Sie kann es sein, besonders wenn sie zwei Wochen oder länger anhält und mit gedrückter Stimmung, Schlafproblemen oder Interessenverlust zusammenkommt. Ob es eine Depression ist, kann eine Ärztin, ein Arzt oder eine Psychotherapeutin im Gespräch mit dir klären.
Die Bibelzitate stammen aus der Lutherbibel (1912), gemeinfrei.
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